Pünktliche Meetings beginnen nicht mit Regeln

von Nicole Fromhold - Geschäftsführerin Fromhold Consulting GmbH | Apr. 23, 2024

Meetings sind für viele Teams ein fester Bestandteil des Arbeitsalltags. Manche sind hilfreich, andere fühlen sich eher wie ein notwendiges Übel an.

Was fast immer gilt: Wenn ein Meeting um 10 Uhr beginnt, sollte es auch um 10 Uhr beginnen.

Nicht irgendwann danach.

Denn Unpünktlichkeit kostet nicht nur Zeit. Sie unterbricht Gespräche, wiederholt Informationen und sendet nebenbei eine Botschaft an alle, die pünktlich waren: Warten gehört offenbar dazu.

Die klassische Reaktion: Regeln verschärfen

In vielen Unternehmen wird versucht, das Problem mit klareren Konsequenzen zu lösen.

Die Tür wird geschlossen.
Zu spät Kommende dürfen nicht mehr teilnehmen.
Es gibt Hinweise, Ermahnungen oder neue Meetingregeln.

Das kann kurzfristig funktionieren.

Es löst aber nicht unbedingt die eigentliche Frage:

Warum kommen Menschen regelmäßig zu spät zu einem Meeting?

Natürlich gibt es Situationen, in denen es schlicht an fehlender Verbindlichkeit liegt. Genauso häufig lohnt sich aber ein Blick auf das Meeting selbst.

Ist der Termin relevant?
Ist klar, warum die eigene Teilnahme notwendig ist?
Beginnt das Meeting wirklich mit etwas, das es wert ist, pünktlich dabei zu sein?

Was passiert, wenn der Anfang einen echten Wert bekommt?

Eine einfache Möglichkeit ist, Meetings bewusst anders zu eröffnen.

Zum Beispiel mit einer kurzen positiven Runde:

  • Was ist seit dem letzten Treffen gut gelaufen?
  • Wo hat jemand im Team besonders unterstützt?
  • Was wurde erreicht, das sonst vielleicht untergehen würde?
  • Gibt es einen kleinen Erfolg, der geteilt werden sollte?

Dafür braucht es keine zehn Minuten und auch keine künstliche Motivationsrunde.

Schon zwei oder drei Minuten können reichen.

Der Unterschied liegt darin, dass der Beginn eines Meetings nicht mehr nur aus Agenda, Zahlen und offenen Punkten besteht. Er bekommt einen sozialen und inhaltlichen Wert.

Wer später kommt, verpasst nicht einfach nur die ersten Folien.

Sondern einen Teil des gemeinsamen Austauschs.

Pünktlichkeit ist auch eine Frage der Meetingkultur

Pünktlichkeit lässt sich nicht ausschließlich über Regeln herstellen.

Sie entsteht auch darüber, wie ein Team mit gemeinsamer Zeit umgeht.

Wenn Meetings regelmäßig:

  • ohne klares Ziel stattfinden,
  • zu spät beginnen,
  • zu lange dauern,
  • für einzelne Teilnehmer kaum relevant sind,
  • oder nur Informationen wiederholen, die auch schriftlich hätten geteilt werden können,

dann ist Unpünktlichkeit häufig nur eines von mehreren Symptomen.

Deshalb lohnt sich neben der Frage „Wie bekommen wir alle pünktlich in den Raum?“ auch eine andere:

Wie gestalten wir Meetings so, dass es sinnvoll ist, von Anfang an dabei zu sein?

Führungskräfte setzen den Rahmen

Eine gute Meetingkultur entsteht nicht von allein.

Führungskräfte prägen sie durch das, was sie selbst vorleben und konsequent einfordern:

  • pünktlich beginnen,
  • vorbereitet sein,
  • nur notwendige Teilnehmer einladen,
  • Entscheidungen treffen,
  • Verantwortlichkeiten klären,
  • Meetings beenden, wenn alles gesagt ist.

Und eben auch dadurch, wie der gemeinsame Austausch gestaltet wird.

Eine kurze positive Runde kann dabei ein Baustein sein. Nicht als Pflichtübung, sondern als Möglichkeit, Zusammenarbeit sichtbar zu machen und den Einstieg bewusster zu gestalten.

Es geht nicht nur um Pünktlichkeit

Ein Meeting ist immer auch ein kleiner Ausschnitt der Unternehmenskultur.

Wie wird miteinander gesprochen?
Wie verbindlich sind Zusagen?
Wie wird mit der Zeit anderer umgegangen?
Werden Erfolge wahrgenommen?
Sind Entscheidungen nachvollziehbar?

Deshalb ist die Frage nach pünktlichen Meetings größer als ein organisatorisches Detail.

Sie berührt Zusammenarbeit, Führung und gegenseitigen Respekt.

Eine positive und produktive Unternehmenskultur entsteht schließlich nicht durch große Leitbilder allein, sondern auch durch die vielen kleinen Routinen im Arbeitsalltag.

Was bedeutet das für die Praxis?

Wer Unpünktlichkeit in Meetings reduzieren möchte, kann natürlich Regeln verschärfen.

Oft ist es jedoch wirkungsvoller, gleichzeitig die Qualität der Meetings selbst zu betrachten.

Ein guter Anfang kann dabei erstaunlich viel verändern.

Nicht, weil plötzlich alle begeistert auf ihren nächsten Termin warten.

Sondern weil deutlich wird:

Diese gemeinsame Zeit hat einen Zweck. Und es lohnt sich, von Anfang an dabei zu sein.

Ein HR- oder Führungsthema soll nicht nur diskutiert, sondern wirksam gelöst werden?

Gerne klären wir gemeinsam, welche Unterstützung für die konkrete Situation sinnvoll ist.

Über die Autorin

Nicole Fromhold

Nicole Fromhold

Geschäftsführerin | HR Interim Managerin | Leadership-Sparring

Nicole Fromhold übernimmt als HR Interim Managerin Verantwortung für HR-Funktionen in Veränderungs-, Wachstums- und Übergangsphasen. Sie begleitet Geschäftsführungen bei personellen und organisatorischen Entscheidungen und verbindet strategische HR-Arbeit mit pragmatischer Umsetzung.